Saubere Luft für eine nachhaltige Zukunft in Metro Manila

Photo: Vorbesprechung und Netzwerkbildung im Dezember 2017

v.l.n.r.: Prof. Alfred Wiedensohler (Tropos), Prof. Anna-Katharina Hornidge (DIE), Frederika Rentoy (Department Head of the Environmental Protection and Waste Management Department von Quezon City) ©DIE

In der aktuellen und den folgenden Ausgaben des Newsletters stellen wir die Forschungsprojekte von Anna-Katharina Hornidge, Direktorin des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) vor. Den Anfang macht hier das Projekt „Saubere Luft für eine nachhaltige Zukunft: Ein transdisziplinärer Ansatz zur Verringerung der Emissionen von Schwarzem Kohlenstoff in Metro Manila, Philippinen (TAME-BC)“ im Rahmen der Fördermaßnahme „Nachhaltige Entwicklung Urbaner Regionen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Das Projekt untersucht die Hauptursachen von gesundheitsschädlicher Luftverschmutzung in Metro Manila, Philippinen. Ziel des seit Juli 2019 laufenden Projektes ist es, gemeinsam mit dem Leibniz Institut für Troposphärenforschung (Tropos), dem Leibniz Institut für Umwelt-Medizinische Forschung (IUF) und verschiedenen Partnern in den Philippinen, Konzepte für institutionelle und technologische Innovationen für transformative Politikgestaltung zur Verbesserung der Luftqualität zu entwickeln. Unter den philippinischen Partnern befinden sich mehrere Universitäten, eine Nichtregierungs-Organisation und zivilgesellschaftliche Gruppen.

Photo: Smog in Quezon City, Februar 2020

Smog in Quezon City, Februar 2020, ©DIE

Das Tropos hat bereits 2015 eine Vorab-Studie durchgeführt und außergewöhnlich hohe Emissionswerte von Schwarzem Kohlenstoff (Black Carbon, BC) in Metro Manila gemessen. Schwarzer Kohlenstoff wird durch Verbrennungsprozesse freigesetzt, zum Beispiel in Fahrzeugmotoren, besonders Dieselmotoren, aber auch bei der Verbrennung von Holz. Er ist ein Bestandteil der Aerosole, also von Feinstaub oder auch PM2.5 (Partikel mit einem Durchmesser von oder kleiner als 2,5 Micrometer). Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass schwarzer Kohlenstoff wahrscheinlich eine der gesundheitsrelevantesten Feinstaub-Komponenten ist (IAAS 2017).

Hierauf basierend entstand ein erweitertes Forschungsinteresse an den gesellschaftlich-bedingten Ursachen der hohen Emissionswerte, deren gesundheitlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung als auch an den institutionellen Rahmenbedingungen die transformative Politikgestaltung entlang von Nachhaltigkeitsstandards beinhalten würden.

Die Studie von 2015 hat den Transportsektor als hauptsächliche Ursache der schlechten Luftqualität identifiziert. Innerhalb des Transportsektors wurde dies noch weiter eingegrenzt und Jeepneys, private Fahrzeuge, die öffentliche Verkehrsleistungen anbieten, wurden als Fokus des Projekts gewählt. In der aktuellen Definitionsphase hat das Tropos an zwei Standpunkten stationäre Emissionen gemessen. Am Nordhafen von Metro Manila als auch in Quezon City, der eigentlichen Untersuchungsregion in Metro Manila. In Quezon City konnte die Stadtregierung für das Projekt gewonnen werden, hier sind auch die meisten Partner angesiedelt. Das IUF hat Lungenfunktionstests mit Jeepney-Fahrern von zwei verschiedenen Fahrer-Assoziationen durchgeführt, um die Auswirkungen der Emissionen auf die Gesundheit zu analysieren. Zusätzlich zu den stationären Messungen wurden mobile Messungen in den Jeepneys der beiden Fahrer-Assoziationen durchgeführt.

Photo: Besuch und Interview bei Sarao Motors

Besuch und Interview bei Sarao Motors, der ältesten Jeepneymaufaktur der Philippinen mit Leonardo S. Sarao, ©DIE

Unser Arbeitspaket beschäftigt sich in der Definitionsphase empirisch mit dem institutionellen Umfeld, den Regelwerken, Normen und Werten, die den aktuellen Zustand der Luftqualität bedingen. Das zu Grunde liegende de jure Regelwerk ist hauptsächlich der Philippines Clean Air Act von 1999. Aber auch das sehr viel neuere Public Utility Vehicle Modernization Program (PUVMP) wird intensiv untersucht. Während ersteres Dokument Emissionskontrollwerte im Fokus hat, geht es in Letzterem darum, alte Fahrzeuge des öffentlichen Verkehrs, vor allem auch Jeepneys, durch neue Busse zu ersetzen. Diese neuen Fahrzeuge sollen eine technologische Neuerung darstellen und müssen laut Regularien mindestens einen EuroIV Diesel- oder Elektromotor nutzen. Während einer ersten Feldphase im Februar und März wurden Interviews mit Jeepney-Fahrern durchgeführt, um lokale Perspektiven auf die Luftqualitäten vor Ort sowie die von der Regierung angedachten Modernisierungsprogramme zu erheben. Hier zeigte sich deutlicher Widerstand gegen das aktuelle Modernisierungsvorhaben der Duterte-Administration. Auch wenn eine Verbesserung der Luftqualität aus Perspektive der Jeepney-Fahrer als erstrebenswert erachtet wird, so wird das vorgelegte Modernisierungsprogramm als anti-poor und wenig partizipativ in seinem Design bewertet. Da die qualitativen, Leitfaden gestützten Interviews während des regulären Jeepney-Betriebs durchgeführt wurden, konnte auch teilnehmende Beobachtung als Erhebungsmethode herangezogen werden. Inhaltlich lag der Fokus somit auf der institutionellen Landschaft des Air Quality Management in den Philippinen, der Auswirkung der de jure Regularien auf die Jeepney-Praktiken und wie diese sich auf lokaler Ebene entfalten, wie sie verändert und an den Kontext angepasst werden. Diese ersten Erhebungen und der Ausbau der Partnerschaftsnetzwerke bilden nun Grundlage für die Gestaltung der Hauptphase des Projektes.

Zurück aus dem Feld besteht die Hauptarbeit darin, die erhobenen Daten zu analysieren und, hierauf basierend, einen gemeinsamen Antrag für die Forschungs- und Entwicklungsphase voranzubringen. Dieser soll Ende Juni 2020 eingereicht werden. Das Projekt läuft aktuell noch bis 31.12.2020 und geht bei positiver Bewilligung zum 01.01.2021 in die Hauptphase über. Seit dem 01.04.2020 sind das Projekt und die Mitarbeiterin im Projekt, Yvonne Kunz, offiziell am DIE angesiedelt.

2 comments

  1. Angela Eisenmenger - Antworten

    Sehr geehrte Frau Kunz,
    mit großem Interesse habe ich über Ihr Forschungsprojekt gelesen. Ich selbst hatte war eine kurze dafür aber umso intensivere Zeit auf den Philippinen im Bereich der Pflegekräftemigration beruflich tätig und komme aus der qualitativen Disziplin der Kulturanthropologie. Die ökologische und soziale Relevanz der Luftverbesserung in Metro Manila steht wohl außer Frage. Ihr ersten Forschungsergebnisse fand ich aufschlußreich und haben mich nicht überrascht, besonders die Perzeption der Regierungsmaßnahmen und Bestrebungen hinsichtlich der Luftverbesserung der lokalen Jeepney-Unternehmer als „anti-poor“.
    Falls ein Weg gefunden werden soll, der auf Kollaboration und Akzeptant der lokalen Kleinunternehmer stoßen soll, rege ich dazu an, einen Blick auf die „Clean-Beach“-Maßnahmen in den Surf-Regionen und Boracay zu werfen: An der Haltung der Bevölkerung ändert sich vor allem dann etwas, wenn die Maßnahmen
    1. Zum ökonomischen Wohlstand beitragen (die Herausforderungen im Bereich der Jeepney-Unternehmen)!
    2. Es für die Bevölkerung einen Image-Gewinn gibt
    3. Die Bevölkerung zum Verantwortungsträger dieser Maßnahmen wird und selbstverantwortlich handeln kann.
    Mir fallen verschiedene Ansätze ein, die es verdienen würden, auf ihre Umsetzbarkeit überprüft zu werden. Falls Sie Sich mit mir vernetzen möchten, kontaktieren Sie mich gerne per Email.
    Ansonsten wünsche ich Ihnen und Ihrem Team viel Erfolg und auch Spaß bei dieser wichtigen Aufgabe.
    Mit freundlichen Grüßen
    Angela Eisenmenger
    M.A. Kulturanthropologie

    • Yvonne Kunz - Antworten

      Liebe Frau Eisenmenger,

      vielen lieben Dank für den Kommentar und ihr Interesse an dem Porjekt.
      Ich stimme zu, dass soziale Normen eine sehr wichtige Rolle bei der Einführung und Umsetzung von Innovationen spielen. Aus diesem Grund ist es uns auch wichtig, den Blick weg zu nehmen, von einem Fokus, der rein auf technologische Innovationen abzielt, hinzu einem Zusammenspiel von institutionellen und technologischen Innovationen.
      Besonders den Punkt, den sie zuletzt listen, der die Bevölkerung als Akteur mit Teilhabeoptionen sieht, sollte hier unterstrichen werden.

      Ich bin sehr interessiert an Ansätzen, die hier einen Beitrag leisten können. Ich schicke Ihnen gerne eine Email.

      Viele Grüße,
      Yvonne Kunz

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