Internationale Kooperation als Schlüssel zur Transformation

Auf der UN-Klimakonferenz COP26 brachte sich das DIE aktiv in zentrale Diskussionen der internationalen Klimapolitik ein. Im Fokus standen dabei internationale Zusammenarbeit und nachhaltige Entwicklung.

Nach der COVID-19-bedingten Zwangspause 2020 wurde die Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Glasgow, die 26. Vertragsstaatenkonferenz (COP26) des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (UNFCCC), mit Spannung erwartet, um die globale Klima-Governance wieder auf Kurs zu bringen. Die COP26 fand vom 31. Oktober bis zum 13. November 2021 „hybrid“ – sowohl virtuell als auch vor Ort in Glasgow – statt.

Wie schon in den Vorjahren verfolgte das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik (DIE) als akkreditierte Beobachterorganisation den Verlauf der COP intensiv und war aktiv an zahlreichen Side-Events, Workshops und Dialogformaten beteiligt. Vertreten durch DIE-Direktorin Prof. Dr. Anna-Katharina Hornidge und Wissenschaftler*innen des Klimalog-Projekts („Klimalog: Forschung und Dialog für eine gerechte und SDG-kompatible Umsetzung des Pariser Klimaabkommens“) beteiligte sich die COP-Delegation des DIE an den Schlüsseldiskussionen der internationalen Klimapolitik und fokussierte dabei insbesondere auf deren Relevanz für die internationale Zusammenarbeit und nachhaltige Entwicklung. Während die COP26 selbst gemischte Ergebnisse lieferte, wurden die forschungsbasierten Beiträge des DIE zu den einschlägigen klima- und entwicklungspolitischen Debatten gut aufgenommen. Sie förderten einen konstruktiven Dialog zwischen politischen Entscheidungsträger*innen, Entwicklungspraktiker*innen und Forschungskolleg*innen.

Mehr Aufmerksamkeit für effektive Langfriststrategien

Prof. Dr. Anna-Katharina Hornidge plädierte im Namen des DIE und des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) in zwei Veranstaltungen, am 2. November im EU-Pavillon und am 9. November im Deutschen Pavillon, für die entschiedene Verknüpfung dringender klimapolitischer kurzfristiger Maßnahmen mit langfristigen Transformations-Strategien. In ihrer Keynote „Long-Term Strategies: Priorities, Lessons and Opportunities for International Cooperation“ beleuchtete sie die wichtigsten Erkenntnisse aus den beiden kürzlich vom WBGU bzw. dem DIE veröffentlichten Studien „Über Klimaneutralität hinausdenken” und „Gemeinsam Paris-Ziele und nachhaltige Entwicklung erreichen”.

Screenshot: Tweet about a Covid19 state by Anna-Katharina Hornidge linking them to the SDGsProf. Dr. Anna-Katharina Hornidge erläuterte insbesondere, dass die Entwicklung langfristiger Strategien in der internationalen Gemeinschaft größere politische Aufmerksamkeit erfordert, da der derzeitige Fokus auf Klimaneutralität bis 2050 lediglich ein Zwischenziel darstellt. Sie betonte, dass die Stabilisierung des Klimas vielmehr davon abhängt, dass die gesamten Treibhausgasemissionen aller Länder in Richtung Klimaneutralität reduziert und Pfade zur Dekarbonisierung ermöglicht werden, die gangbare Optionen zur CO2-Entfernung aus der Atmosphäre einschließen. Dementsprechend formulierte der WBGU drei zentrale Forderungen für effektive Langfriststrategien: (1) Ausstieg aus fossilen Energieträgern, (2) Stärkung des Kohlenstoffsenken-Potenzials der Biosphäre, (3) Vorbereitung institutioneller Rahmenbedingungen und Risikomanagementsysteme für Negativemissionstechnologien. Prof. Dr. Hornidge betonte in diesem Zusammenhang die einzigartige Chance, mittels der COVID-19-Konjunkturprogramme entsprechende Maßnahmen zu finanzieren und damit gleichzeitig ökologische und soziale Herausforderungen zu adressieren sowie eine Transformation des Finanzsystems voranzutreiben.

Gemeinsam Paris-Ziele und nachhaltige Entwicklung erreichen

In einem weiteren Side-Event im Deutschen Pavillon moderierte Dr. Steffen Bauer, Leiter des Klimalog-Projekts, am 9. November einen internationalen Science-Policy Roundtable zur Studie „Gemeinsam Paris-Ziele und nachhaltige Entwicklung erreichen: Internationale Klimakooperation und die Rolle der Entwicklungs- und Schwellenländer“ (siehe Aufzeichnung). Ursprünglich vom DIE und dem NewClimate Institute während der UN-Klimawoche veröffentlicht, stellte die Veranstaltung die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Auftrag gegebene Studie in den spezifischen Kontext der COP26.

Photo: Heike Henn and Steffen Bauer @COP26

©GIZ

Nach einer Keynote von Dr. Heike Henn (Beauftragte für Klimapolitik und Klimafinanzierung des BMZ) hob die Co-Hauptautorin der Studie, Marie-Jeanne Kurdziel (NewClimate), insbesondere die Bereiche Energie, Städte, Landwirtschaft, Wälder und Wasser als prioritäre Handlungsfelder für entwicklungsgerechte Klimakooperation hervor. Mit Blick auf die laufenden COP26-Verhandlungen diskutierten die Teilnehmer*innen des Rundtischgesprächs – Dr. Heike Henn (BMZ), Dr. Shalini Sharma (Global Institute for Circular Economy & SDGs), Dr. Kennedy Mbeva (Africa Research & Impact Network, ARIN) und Maria-José Poddey (GIZ) – die Auswirkungen denkbarer COP-Ergebnisse für die internationale Klimazusammenarbeit und die Erreichung der entsprechenden nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs). Eine wichtige Erkenntnis aus der anschließenden Debatte war die Notwendigkeit, eine bessere Balance zwischen Anpassungs- und Vermeidungsmaßnahmen zu schaffen. Es müsse sichergestellt werden, dass Klimapolitik auch denjenigen zugutekommt, die am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind.

Potenziale afrikanisch-europäischer Partnerschaft

In einem Side-Event zum Thema „Supporting green & climate resilient development: local to global insights on the AU-EU Partnership”, das das DIE gemeinsam mit der European Think Tanks Group (ETTG) am 2. November im EU-Pavillon veranstaltete, diskutierte die Klimalog-Forscherin Gabriela Iacobuta das Potenzial der AU-EU-Partnerschaft im Hinblick auf ehrgeizige Klimaschutzmaßnahmen. Aufbauend auf Analysen des NDC-SDG Connections Online-Tools betonte sie, wie die Klimapolitik afrikanischer Länder gleichzeitig zur Erreichung der wichtigsten SDGs beiträgt. Die nachfolgende Diskussion mit afrikanischen und europäischen Teilnehmer*innen fokussierte insbesondere auf lokale Ansätze zur Klimaanpassung und zur Emissionsvermeidung, „grüne“ Jobs für Jugendliche sowie mögliche Beiträge der AU-EU-Partnerschaft zur Umsetzung der Agenda 2063 bzw. Agenda 2030. Eine Aufzeichnung der Veranstaltung kann online angeschaut werden.

Investments in ökosystembasierte Anpassungen

Zwei assoziierte Wissenschaftler*innen des DIE, Dr. Idil Boran (CIFAL, York University) und Dr. Sander Chan (Global Centre on Adaptation), co-organisierten das UNFCCC Side Event „Multi-level action for biodiversity and climate: Planetary challenge & lessons from Latin America” am 5. November. Die Veranstaltung, an der internationale Partner aus Forschung und Praxis teilnahmen, betonte, dass es in den Lösungsansätzen zu den globalen Klima- und Biodiversitätskrisen viele Überschneidungen gibt. Teilnehmer*innen riefen dazu auf, grüne Konjunkturpakete zu nutzen, um in ökosystembasierte Anpassungen zu investieren. Die Veranstaltung bündelte damit Ergebnisse eines umfassenden Expert*innen-Dialogs, der gemeinsam von CIFAL und DIE im unmittelbaren Vorfeld der COP26 am 20. und 21. Oktober veranstaltet worden war.

Event Card: Official COP26 Side Event “Multi-level action for biodiversity and climate: Planetary challenge & lessons from Latin America”, 5 November 2021, 11:30—12:45 hrs (GMT, Glasgow)Darüber hinaus wurde auf der COP26 eine internationale Arbeitsgruppe zu Sozialer Sicherung und Klimawandel im Rahmen der Globalen Partnerschaft für universelle soziale Sicherung (USP2030) eingerichtet. Mitinitiiert hatten dies die DIE-Wissenschaftler*innen Dr. Mariya Aleksandrova und Dr. Daniele Malerba vor dem Hintergrund ihrer Forschungsarbeiten.

Ebenso trug Klimalog-Forscher Andrew Deneault in Zusammenarbeit mit dem UNFCCC-Sekretariat und weiteren internationalen Partnern zu einem Stakeholder-Workshop der Climate Action Measurement Data and Analysis (CAMDA) Resilienz-Arbeitsgruppe bei. Der Workshop wurde am 6. November im Climate Action Lab der UNFCCC durchgeführt. Ziele waren dabei, die Gestaltung, Erfassung und Analyse von Resilienzmaßnahmen seitens nichtstaatlicher und subnationaler Akteure zu fördern und die Methodenentwicklung zur Messung von Fortschritten bei globalen Resilienz- und Anpassungsmaßnahmen voranzutreiben.

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