Wasser marsch!

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Image: Staudamm
Dimension von Wasserressourcen berücksichtigen

Wasser ist für den Menschen und für den Erhalt der Umwelt unverzichtbar. Das Wasserthema war daher aus gutem Grund bisher eines der bedeutendsten der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ). Doch gerade jetzt, wo Wasser für die prominenten 17 Ziele für Nachhaltige Entwicklung und die nationalen Klimaanpassungsstrategien eine herausragende Rolle spielen soll, stagnieren bzw. sinken die deutschen und internationalen Finanzierungszusagen. Angesichts der enormen Bedeutung der Ressource muss es daher für die Zukunft weiter heißen: Wasser marsch!

Wasser – ein wichtiger Hebel der Agenda 2030

In den im Jahr 2000 verabschiedeten Millenniums-Entwicklungszielen (Millennium Development-Goals, MDGs) spielte Wasser eine wichtige Rolle. Zwar wurde offiziell die Wasserversorgung verbessert, doch teilweise blieben die Nachhaltigkeit von Infrastruktur und Management sowie die Wasserqualität auf der Strecke. Das Ziel, die Anzahl der Menschen ohne angemessene Sanitärversorgung zu halbieren, wurde nicht erreicht. Die 2016 in Kraft getretenen 17 Ziele für Nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) dagegen formulieren im Ziel 6 zu Wasser nun eine detailliertere Agenda, die den universellen Zugang zu sicherer Trinkwasser- und Sanitärversorgung fordert und darüber hinaus den gesamten Wasserzyklus abdeckt. Dies schließt das Management der Ressource ein und zielt auch darauf ab, die Ökosysteme als wichtige Wasserspeicher zu schützen und zu restaurieren. Denn angesichts des Klimawandels und der steigenden Nachfrage wird die Wasserverfügbarkeit vielerorts erratischer und knapper.

Weil Wasser für Mensch und Umwelt in so vielfältiger Weise notwendig ist, ist SDG 6 ein wichtiger Hebel, um auch zahlreiche andere Entwicklungsziele zu verwirklichen. Ziel 2 beispielsweise, mit dem der Hunger bekämpft und die Ernährungssicherheit verbessert werden sollen, ist ohne Wasser für die Landwirtschaft nicht denkbar. Die Verbesserung der menschlichen Gesundheit (Ziel 3) hängt von Fortschritten bei der Trinkwasser- und Sanitärversorgung ab. Und wenn Frauen und Kinder in ländlichen Gebieten viele Stunden am Tag mit dem Wasserholen beschäftigt sind, steht dies einer inklusiven und hochwertigen Bildung (Ziel 4) und der Geschlechtergerechtigkeit (Ziel 5) im Weg. Die Energieversorgung (Ziel 7), der Schutz der Meere (Ziel 14) und nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster (Ziel 12) oder nachhaltige Stadtentwicklung (Ziel 11) sind ebenfalls von der Ressource abhängig. Umgekehrt kann Wasserknappheit zu Zielkonflikten zwischen einzelnen SDGs führen, z.B. zwischen Energie- und Ernährungssicherheit. Die Erreichung des Wasserziels bietet daher eine enorme Chance, die gesamte Agenda 2030 voranzubringen. Diese Chance muss die EZ nutzen und der Wasserfrage als Querschnittsthema die ihm gebührende politische Aufmerksamkeit und finanziellen Mittel geben. Auch aus einer ökonomischen Perspektive führt kein Weg an mehr Geld für das Thema vorbei: Fehlende Investitionen in die Trinkwasser- und Sanitärversorgung kosten laut UN-Water) manche Länder bis zu 10% ihres BIP – umgekehrt bringt aber jeder hier investierte Euro einen drei- bis sechsfachen Gewinn durch andere Einsparungen.

Ohne gutes Wassermanagement keine Anpassung an den Klimawandel

Wasser spielt auch eine fundamentale Rolle für die Anpassung an den Klimawandel. Maßnahmen eines integrierten Wasserressourcenmanagements können die Auswirkungen von Überschwemmungen und Dürren deutlich abmildern. Auch wenn ausbleibende Niederschläge die Nahrungsproduktion und Industrie einschränken, kann Wasserpolitik zur Anpassung beitragen: Wasserspeicher zu verbessern, klare Regeln für die Verteilung der knappen Ressource und effiziente Technologien können z.B. helfen. Insbesondere in Entwicklungsländern ist die Anpassung an den Klimawandel ohne nachhaltiges Wasserressourcenmanagement undenkbar. Dies zeigen auch die nationalen Klimapläne (nationally determined contributions, NDCs): Analysen des DIE zeigen, dass fast alle dieser NDCs (93 Prozent) Wasser in den Mittelpunkt stellen.

Zusagen für den Wassersektor rückläufig

Der Wassersektor ist traditionell einer der wichtigsten der deutschen EZ, gemessen am Finanzvolumen und der Anzahl der Länder, in denen Wasser zu den Schwerpunktthemen gehört. In vielen Ländern hat die langjährige EZ nicht nur zur Verbesserung der Wasserversorgung beigetragen, sondern auch durch die direkte Kooperation mit Institutionen wertvolles Vertrauen aufgebaut. Hierdurch konnten neben Infrastrukturmaßnahmen auch wichtige Beiträge zu Governance-Reformen geleistet werden, indem beispielweise in Marokko die Entwicklung eines neuen Wassergesetzes mit begleitet und so wichtige Grundlagen für ein nachhaltiges Gewässermanagement gelegt wurden.

Doch die Finanzierungszusagen für den Sektor in der deutschen EZ und auf internationaler Ebene stagnieren bzw. sind sogar rückläufig. Deutschland reduzierte den Anteil seiner Zusagen für den Wassersektor im Zeitraum 2010-2016 um rund ein Viertel (gemessen an den gesamten Zusagen der EZ). Zwischen 2012 und 2015 wurden nicht einmal die von internationalen Gebern versprochenen Finanzierungen eingehalten. Mehr als 80% der Länder berichten heute von unzureichender Finanzierung für die Wasser- und Sanitärversorgung.

Besonders frappierend: Gerade im von der Unterversorgung besonders stark betroffenen Subsahara-Afrika gingen die internationalen Zusagen zwischen 2012 und 2015 von 3,8 auf 1,7 Milliarden Dollar zurück. Sogar aus dem akut unter Dürre leidenden Horn von Afrika hat sich die deutsche EZ im Sektor jüngst weitgehend zurückgezogen. Und diesen Sommer steht die Entscheidung an, ob in den palästinensischen Gebieten die Kooperation im Wasserbereich beendet wird. Angesichts der extremen Wasserknappheit sowie der unzuverlässigen und teuren Wasserversorgung für die ohnehin stark eingeschränkte Bevölkerung dort ist dies schwer verständlich.

Image: Sufficiency of financial resources

 

Wasser marsch für eine nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit!

Vor dem Hintergrund dieser Zusammenhänge gilt es für die deutsche EZ jetzt, Wasser als Querschnittsthema über viele SDGs hinweg zu betrachten und SDG 6 mit seinen Ausstrahlungseffekten zeitgemäß zur Erreichung der Agenda 2030 und der Klimaanpassung zu stärken. Erfreulicherweise spricht die neue BMZ-Strategie für den Sektor bereits einige der folgenden Punkte an. Nun gilt es, auch Taten folgen zu lassen:

  • Mehr finanzielle Mittel und politische Unterstützung für Wasserthemen. Um der Rolle von Wasser für Agenda 2030 gerecht zu werden, sollten u.a. Verbindungen zwischen Wasserressourcen und Nahrungs- sowie Energieproduktion (der sog. Nexus) stärker in den Vordergrund rücken. In der in dieser Legislaturperiode gegründeten BMZ-Sonderinitiative ‚Eine Welt ohne Hunger‘ etwa spielen Wasserressourcen nur eine nachrangige Rolle.
  • Bestehende und neue Projekte im Wassersektor stärker an den SDGs ausrichten; dies erfordert z.B. eine stärkere Berücksichtigung von Wasserressourcenmanagement und seinen Schnittstellen zu sozialen und ökonomischen Themen der Agenda 2030.
  • Der Bedeutung von Wasserressourcenmanagement für die Klimaanpassung gerecht werden: Angesichts der internationalen Anstrengungen Wasserressourcenmanagement in die nationalen Klimaanpassungsstrategien aufzunehmen, sollte auch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit in ihren Klimaprojekten eine erhebliche Erhöhung der explizit wasser-relevanten Aktivitäten anstreben. In der deutschen EZ ist das Wasserressourcenmanagement im Zeitraum 2012-2015 verhältnismäßig unterbedient gewesen: Diesem Bereich kamen nur 10% der Mittel zugute, die für die Verbesserung von Wasser- und Sanitärversorgung zugesichert wurden.
  • Die politische und politökonomische Dimension von Wasserressourcen stärker berücksichtigen. Gerade im Kontext von Klimawandel und starkem Wettbewerb um die Ressource, ist Wasserpolitik immer auch Machtpolitik: Sie entscheidet, wer zu welchen Bedingungen Zugang zu der kostbaren Ressource bekommt. Deshalb sollte die EZ auch ihre finanzielle Zusammenarbeit wo möglich mit Governance-Reformen auf lokaler und nationaler Ebene verknüpfen.
Image: Annebelle Houdret

Annabelle Houdret ist wissenschaftliche Mitarbeiterinnen in der Abteilung Umweltpolitik und Ressourcenmanagement am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

Hannah Janetschek ist wissenschaftliche Mitarbeiterinnen in der Abteilung Umweltpolitik und Ressourcenmanagement am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

Ines Dombrowsky leitet die Abteilung Umweltpolitik und Ressourcenmanagement am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE).

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